TGV 9575.

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proche / Reflection

Paris Est – Augsburg HBf. Diese Anzeige im Zug wollte ich lange Zeit nicht sehen, bedeutet das doch, dass mein Auslandssemester vorbei ist. Gut, ganz stimmt das noch nicht, weil ich in einer Woche wieder für einige wenige Tage zurückkehren werde, meine Wohnung übergeben und mich noch von einigen Leuten verabschieden werde. Vielleicht hat deswegen dieses sentimentale „Abschiedsgefühl“ heute vollständig gefehlt. Oder es lag daran, dass es am Ende doch noch ziemlich stressig wurde, inklusive einiger kurzer Zwischenspurts, sodass gar keine Zeit zum Nachdenken bliebe. Aber das Gefühl fehlt auch jetzt noch, obwohl ich mittlerweile schon eine ganze Weile im Zug sitze, entspannt und ruhig.

Stattdessen ein seltsames Gefühl. Ich fühle mich nicht schwach. Überhaupt nicht. Aber es fehlt dieses kraftvolle „Heimkommen“-Gefühl, das Gefühl, dass man wieder am richtigen Ort ist, dort, wo man sich am wohlsten fühlt. „Heimkommen“, was ist das überhaupt? Bis vor einigen Monaten war das ziemlich klar, aber jetzt? Jetzt verschwimmt das alles etwas, taucht im Nebel ab. Ich freue mich unglaublich, meine Familie und meine Freunde wiederzusehen. Aber ist das wirklich mein Zuhause? Wäre ich gerade eben nicht viel lieber in einer Stadt, die deutlich nördlicher liegt? Obwohl ich dort noch nie war und überhaupt nicht weiß, ob mir das dort gefällt? Wäre ich nicht viel lieber wieder in Paris, dieser wunderbaren Stadt voller Leben und Gedanken? Aber auch dort ist es in den letzten Tagen irgendwie leerer geworden, ohne dieses wärmende Feuer.

Der Zug überholt gemächlich die auf der parallel verlaufenden Straße fahrenden Autos. Ein Lichterbogen, „Joyeuses Fêtes“. Weihnachten rückt näher, steht schon fast vor der Tür. Zur Ruhe kommen.

Mein Zuhause hat sich aufgespalten, es fehlt die klare Definition. Und das ist überhaupt nicht schlimm, ich fühle mich weder orientierungslos noch unwohl. Im Gegenteil, ich habe immer noch dieses warme Gefühl im Magen und ein kleines Lächeln auf den Lippen. Weil ich weiß, dass das jetzt kein Ende ist. Weil ich weiß, dass ich in Zukunft einfach zwischen meinen verschiedenen Zuhausen hin- und herwechseln werde. Weil ich kein Zuhause verliere, sondern vielleicht nur etwas mehr Zeit im Zug verbringen werde. Und auch das stört mich nicht, schließlich kann ich fast nirgendwo so gut denken und arbeiten als wie im Zug. Wenn er sanft über die Weichen rumpelt, die Landschaft vorbeizieht. Ich freue mich auf alles, was kommt.

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