Asymmetrisch. Ein hässliches Wort. Es sagt aus, dass der eine nicht so viel geben kann wie der andere benötigt. Es sagt aus, dass ein Missverhältnis besteht. Ein Missverständnis. Es ist nichts rund, nichts ist gut, so wie es ist.
Wieder wache ich am frühen Morgen nach viel zu wenig Schlaf auf, wieder bin ich mit einem Schlag hellwach – ohne Aussicht, heute noch einmal Erholung zu finden. Mir gehen tausende Gedanken durch den Kopf, tausende Fragen, die wahrscheinlich für immer unbeantwortet bleiben werden. Warum hast du damals gewartet? Wo ist der Zauber hin, der dort in der Luft lag? Verstreut zwischen all den vergangenen Tagen? Hinweggerafft von der Distanz?
Warum fügt sich das nicht alles in ein konsistentes Bild? Das auch ich verstehen kann? Wie oft habe ich mich schon in Gedanken mit dir unterhalten, dir all diese Fragen gestellt und doch nie eine Antwort bekommen?
Warum will ich nicht weiterziehen? Zulassen, dass die Vergangenheit von der Gegenwart abgelöst wird? Ist das nur ein Festhalten? Der Mensch neigt dazu, sich an die schönen Dinge zu klammern. Sie mit aller Kraft zu greifen, obwohl sie doch vergänglich sind. Und vergisst dabei, dass sie den größten Teil ihrer Faszination, ihrer Schönheit, ihrer Kraft gerade aus ihrer Vergänglichkeit beziehen. Kein Erlebnis der Welt ist so groß, dass es nichts von seiner Faszination verliert, wenn es andauernd verfügbar ist.
Und da ist sie schon wieder, die Angst. Die Angst davor, dass es die bessere Lösung wäre, jetzt loszulassen. Die Angst davor, dass die Geschichte schon längst beendet ist – und ich es nur noch nicht bemerkt habe. Die Angst vor der Asymmetrie.