Was ist Liebe?

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Crimson / Reflection

Was ist Liebe? Liebe ist das wunderbar leichteste Gefühl auf der Welt. Wenn du Liebe spürst, fühlst du dich so, als ob du fliegen könntest. Du denkst nicht nach – nicht über deine Zukunft, nicht über deine Vergangenheit. Ja, nicht einmal über das Jetzt – du genießt einfach. Alles ist im Fluss, die Welt strahlt in ihren prächtigsten Farben. Selbst im Regenwetter fühlst du dich wie im goldenen Sonnenschein, freust dich über alle kleinen Dinge, ja, darüber, dass du dieses Leben leben darfst.

Doch halt – warum fühle ich mich gerade nicht so? Gerade eben strahlt die Sonne in mein Fenster hinein – und doch fühle ich mich wie unter einem zentnerschweren Betonbrocken erdrückt. Grau, massiv, emotionslos. Ich stemme mich dagegen, aber ich spüre kein Nachgeben, keine Aussicht auf eine Pause. Ich finde mich langsam damit ab, muss mich damit abfinden, weil es anders nicht geht, weil keine Lösung in Sicht ist.

Ich verdränge. Ich freue mich nicht, sondern ich verdränge. Versuche, den Druck, das beklemmende Gefühl abzustreifen wie einen Regenmantel nach einem Gewitterguss. Weg mit der klammen Kälte, die dunkle Zeit ist überstanden, jetzt bist du im Warmen. Aber ich bin nicht im Warmen. Ich stehe immer noch draußen vor der Tür. Ohne Dach, ohne Unterschlupf. Aus dem Inneren dringt ein zarter Lichtschein. Rot, warm. Ja, genau, dort drinnen ist es gemütlich. Ich versuche, etwas näher zu kommen, einen weiteren Blick in das Innere, in diese wunderschöne Welt zu erhaschen. Ich versuche, auf mich aufmerksam zu machen, ich möchte doch nur mit hinein, dabei sein. Teil haben an dem, was dort drinnen vor sich geht.

Aber es geht nicht, irgendetwas hält mich fest. Zieht mich zurück, in die Kälte, in die Dunkelheit. Das wärmende Fenster ist nur ein Stück weit entfernt, fast in Greifweite. Und doch scheint es so, als ob es unendlich weit weg wäre. Zwischen mir und dem Fenster reißt ein kilometertiefer gähnender Abgrund auf. Tiefschwarz. Unüberwindbar. Ich möchte doch nur hinüber, hinein, in die Wärme. Aber es scheint unmöglich, ich werde zurückgerissen, falle kurz auf die Knie, versuche mich wieder aufzurichten. Doch der tosende Strudel verschlingt mich sofort wieder, meine Beine finden keinen Halt, kein Fundament, ich wanke.

Ich schaue nach unten. An meinen Beinen klaffen blutende Wunden. Hellrot bahnt sich die Flüssigkeit ihren Weg durch die dunkelrot verkrusteten Gräben, dort, wo einmal meine Haut war. Ich erkenne mich selbst nicht mehr. Wo ist die Sonne? Die Leichtigkeit? Wo bin ich? Ich beginne mich selbst zu verlieren. Verliere für einen kurzen Moment immer wieder mein Bewusstsein. Versuche mich irgendwie aufrecht zu halten, dem Sturm entgegenzustemmen.

Aber da sind überall glühende Eisenspieße, die sich immer weiter in meinen Körper schneiden. Ich komme hier nicht los, kann mich nicht befreien. Stattdessen tropft nun flüssiges Metall auf mich hinab, brennt sich siedend heiß seinen Weg. Weißglühend, unaufhaltsam. Silberen Klingen treffen mich von hinten, schneiden immer tiefer hinein, verbünden sich mit den Spießen und dem Metall zu einem vollkommenen Werk der Zerstörung. Ich kann nicht mehr.

Aber da ist immer noch dieses Fenster. Ich schaue hoch. Es ist nicht verschwunden. Da, genau da, zwischen den weiß sprühenden Funken. Es strahlt immer noch dieses orangerote Gefühl der Wärme aus. Eine unbeschädigte Welt. Der tobende Kampf, er kommt nicht hinein in das Haus. Niemand dort weiß, was hier draußen vor sich geht. Niemand dort bekommt etwas von diesem Gewitter, diesem Sturm, dieser Schlacht hier mit. Und für einen Moment vergesse ich es ebenfalls, blende all den Lärm aus. Und sehne mich wieder nach drinnen. Ein kleines Stück näherkommen, ich möchte doch nur noch einmal einen kurzen Blick in das Innere erhaschen. Dabei sein. Teil haben.

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