Wochenende. Normalerweise ein leichter Begriff. „Endlich Wochenende!“, das verheißt Spaß, das klingt nach einer Ausflucht aus dem stressigen Alltag und all den Problemen. Einfach so in den Tag hineinleben. Gleichzeitig aber ist das Wochenende auch immer viel zu schnell vorbei, die Zeit fliegt nur so dahin und ist schon wieder fast aus dem Blickfeld verschwunden, bevor man sie überhaupt bewusst wahrgenommen hat.
Normalerweise. Am vergangenen Wochenende dagegen bin ich um Jahre gealtert. Emotional waren das einige der härtesten und am schwierigsten zu bewältigenden Momente meines Lebens. Jetzt sitze ich hier im TGV zwischen Straßbourg und Paris und versuche, ein bisschen Klarheit in meine Gedanken zu bringen. Aber was heißt Klarheit? Ich fühle mich, wie wenn ich Jahre brauchen werde, um all diese Emotionen des Wochenendes zu verarbeiten. Ich fühle mich ausgelaugt. Vielleicht ein kleines bisschen froh oder erleichtert, dann aber auch wieder müde und traurig. Und ausgelaugt, wahnsinnig ausgelaugt. Kaum fähig, das Geschehene gefühlsmäßig wirklich zu beurteilen.
Normalerweise, ja normalerweise, kann ich im Zug wunderbar nachdenken. Gerade geht es gemütlich durch eine nebelverhangene Landschaft, die Räder rumpeln sanft über die Weichen. Ideal, um die Gedanken schweifen zu lassen, den Kopf freizumachen von allen To-Dos und Terminen und zu überlegen, was am Wochenende eigentlich passiert ist.
Aber heute, da kann ich mich nicht konzentrieren, fühle mich emotional erschöpft und irgendwie etwas wirr. Ich kann keinen Gedanken festhalten, mich nicht in meine Gefühle hineinfühlen. Das muss ich an einem anderen Tag erledigen. Wenn ich angekommen bin.